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Traumafolgestörungen

Tagesklinische und ambulante Therapie

Im Laufe ihres Lebens erleiden nicht wenige Menschen traumatische Erfahrungen, die mit erheblicher Angst, Hilflosigkeit oder einem massiven Bedrohungsgefühl einhergehen. Diese häufig mit emotionaler oder auch körperlicher Gewalt und Kontrollverlust verbundenen Erfahrungen sind für das menschliche Gehirn schwer zu verarbeiten und können auch noch Jahre nach dem Ereignis zu Symptomen führen und die Lebensqualität von Menschen beeinträchtigen.
Symptome unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis sind etwas ganz Normales und verschwinden hin vielen Fällen von selbst. Bleiben jedoch nachhaltige psychische oder körperliche Beschwerden vorhanden, ist eine professionelle Hilfe im ambulanten, tagesklinischen oder sogar stationären Setting notwendig. Dann sprechen die Fachleute von einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Psychoonkologie - Ambulante und tagesklinische Psychotherapie – ZFSG Berlin

Entstehung und Verlauf

Unter einem Trauma verstehen wir einzelne oder mehrere Ereignisse, bei denen im Zustand von extremer Angst, Hilflosigkeit oder Bedrohung die Verarbeitungsmöglichkeiten des Einzelnen zum damaligen Zeitpunkt überfordert waren. Auch wenn Traumata schon lange zurückliegen oder sogar in Vergessenheit geraten sind, können sie noch Jahre später einen zentralen Einfluss auf die seelische Gesundheit von Menschen haben. Nicht selten sind Traumata Mitverursacher von psychischen Erkrankungen wie Depression, Angst oder auch Suchterkrankungen.

Typische Kennzeichen von Traumafolgestörungen sind Intrusionen, d.h. unfreiwillige Erinnerungen, Körperempfindungen oder Gedanken an das Trauma. Albträume oder durch Triggerreize ausgelöste Flash-backs, d.h. ein Wiedererleben des Ereignisses im Hier und Jetzt, sind weitere typische Symptome. Auch Erinnerungslücken, Vermeidungsverhalten mit Rückzug, Entfremdungserleben bzw. Dissoziationen sind häufige Folge solcher Erlebnisse. Im Alltag kann es zu psychosomatischen Reaktionen, z.B. Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Schreckhaftigkeit als Folge eines überhöhten Anspannungszustandes kommen.

Kommt es aufgrund länger anhaltender Beschwerden zu deutlichen Beeinträchtigungen in privaten, sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen, sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden, um die Leidensgeschichte zu beenden und eine Chronifizierung sowie das Auftreten weiterer komorbider Störungen, z.B. Depression, Angst- oder Suchterkrankungen zu vermeiden. Auch auf körperlicher Ebene können viele Organsysteme betroffen sein und typische psychosomatische Beschwerden, wie chronische Magen – Darmstörungen, vermehrte Schweissneigung, erhöhter Puls oder Blutdruck, sowie häufige Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein auftreten.

Ambulante Psychotherapie

Bei milden Symptomen im Rahmen der Traumafolgestörung ist eine ambulante Psychotherapie meist ausreichend. Ist Ihre Arbeitsfähigkeit noch erhalten und können Sie Ihren Alltag strukturieren, genügt es oft, mit Ihrem ambulanten Psychotherapeuten ihre Beschwerden, Auslöser und Folgen des Traumas zu bearbeiten und gemeinsam Lösungs- und Veränderungsstrategien im Umgang mit dem Trauma zu suchen.

Tagesklinische Behandlung

Bei einer Traumafolgestörung mit relevanten Einschränkungen im Berufsleben oder im privaten Alltag oder bereits behandlungsbedürftigen psychischen Folgeerkrankungen, z.B. Depressionen oder Angstzuständen, ist eine intensive tagesklinische Behandlung mit täglichen Therapieangeboten im Einzel- und Grunppensetting zu empfehlen. Die traumatischen Erlebnisse können mit der notwendigen Ruhe und Sicherheit besprochen und therapeutisch aufgearbeitet werden. Im Rahmen des täglichen Therapieangebotes kann individuell auf ihre Situation und Bedürfnisse eingegangen werden und die Behandlungsstrategie neu angepasst und besprochen werden, um so die belastenden innerpsychischen Abläufe zu verstehen und einer nachhaltigen Veränderung zuzuführen. Durch eine intensive tagesklinische Behandlung kann Ihnen ein sicherer Rahmen und die notwendige tägliche Unterstützung geboten werden, die bei der Behandlung einer Traumafolgestörung erforderlich ist.

Ein weiterer Vorteil einer tagesklinischen Behandlung ist, dass Sie ihr gewohntes Zuhause und ihre Angehörigen, deren Nähe und Unterstützung gerade in diesen Krisenzeiten sehr wichtig sein kann, nicht verlassen müssen und dennoch wie bei einer stationären Therapie eine intensive psychotherapeutisch-psychosomatische Behandlung durchgeführt werden kann. An den Abenden nach der tagesklinischen Behandlung sind Sie in Ihrer gewohnten Umgebung bei Ihren Angehörigen zu Hause, an den Wochenenden den gesamten Tag.

Da eine Traumafolgestörung und die daraus resultierenden Folgeerkrankungen, z.B. Depressionen oder auch Angsterkrankungen auch für Ihre Angehörigen psychisch belastend sein können, können Ihre Angehörige in das Behandlungsprogramm während der Tagesklinik einbezogen werden. Sorgen und Nöte, die Sie und Ihre Angehörige betreffen, können gemeinsam besprochen und Lösungswege erarbeitet werden.

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Phasen der Traumatherapie

Alle Bemühungen in der Traumatherapie dienen dazu, eine adäquate Integration der zuvor fehlverarbeiteten traumatischen Erfahrungen zu erreichen, Ängste, dissoziatives Erleben und Vermeidungsverhalten zu vermindern und affektive Spanungszustände zu beseitigen.
Zunächst wird dazu ein Verständnis für die Zusammenhänge der oft nach Außen unverständlich wirkenden Symptome oder Verhaltensweisen eines Traumatisierten entwickelt. Ein nächster Schritt erfolgt in der sogenannten Stabilisierungsphase, in der Fähigkeiten und Techniken vermittelt werden, die den Umgang mit Symptomen erleichtern und Kontrolle zurückgeben. Imaginative Verfahren und auch neuere Verfahren nach den Erkenntnissen der achtsamkeitsbasierten Psychotherapie, z.B. Prinzipien von Selbstmitgefühl, sind in dieser Phase oftmals hilfreich und kommen zur Anwendung. Ebenso können ressourcenorientierte Ansätze und Methoden, die die Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeiten und der Bedürfnisbefriedigung zum Schwerpunkt haben, eingesetzt werde.
Um die vergangenen Erlebnisse einer Neuverarbeitung zuzuführen, ist in vielen Fällen auch eine Phase der Traumakonfrontation wichtig. Eine in vielen internationalen Studien als erfolgreich ausgewiesene Behandlungsform ist das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing nach Francine Shapiro), das als anerkanntes Verfahren auch in der hiesigen Tagesklinik zum Einsatz kommt.

Diese Phase des bewussten Wieder-Erinnerns sollte in einem geschützten therapeutischen Setting und unter der Bedingung eines stabilen therapeutischen Arbeitsbündnis erfolgen, da sie häufig besonders belastend erlebt wird, da unmittelbar an der traumatischen Erfahrung gearbeitet wird und Material des impliziten Gedächtnisses sowie oftmals auch sog. Körpererinnerungen wach gerufen werden.

Dieser Prozeß führt schließlich zu einer Neuverarbeitung des Erlebten und ermöglicht es, die fragmentierten Erlebnisinhalte in den Kontext der eigenen Biographie nach und nach neu einzuordnen und den Bedrohungsgehalt zu reduzieren. Diese Phase der Integration ist das Kernstück jeder traumspezifischen Behandlung und ermöglicht eine innere Neubewertung der traumatischen Erlebnisse und so eine Auflösung der desintegrierten belastenden Erfahrungen.

Literatur

  • Shapiro, F. (2012). EMDR-Grundlagen & Praxis: Handbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen. Junfermann.
  • Hofmann, A. (2006). EMDR in der Therapie posttraumatischer Belastungssyndrome.
  • Heidenreich, T., & Michalak, J. (Eds.). (2013). Die» dritte Welle «der Verhaltenstherapie: Grundlagen und Praxis. Beltz.
  • Germer, C. (2012). Der achtsame Weg zur Selbstliebe. Arbor, Freiburg.
  • Gilbert, P. (2013). Compassion Focused Therapy. Junfermann Verlag.