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Depression

Ambulante und tagesklinische Psychotherapie

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt ein Mal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland bis zu 5 Millionen Menschen an dieser Erkrankung, von denen nur eine Minderheit erkannt und adäquat behandelt wird. Hintergrund sind immer noch vorhandene diagnostische und therapeutische Defizite bei Ärzten und Ängste der Betroffenen vor der Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten. Häufig erleben Betroffene eine hohe Scham, selbst an der Erkrankung schuld zu sein und glauben, dass niemand helfen könne und Behandlungen sinnlos seien. Diese Fehleinschätzung ist umso tragischer, da heute mit Psychotherapie und Achtsamkeit, ergänzt um medikamentöse Behandlungsstrategien sehr wirksame Behandlungsverfahren zur Verfügung stehen und Depressionsbehandlungen gerade in der Kombination von tagesklinischer und ambulanter Therapie gute und nachhaltige Erfolge aufweisen.

Depressionen - Ambulante und tagesklinische Psychotherapie – ZFSG Berlin

Entstehung und Verlauf

Depressionen entstehen nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen durch ein komplexes Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren. Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, im sozialen oder familiären Umfeld sowie Lebens- und Sinnkrisen oder auch körperliche Erkrankungen können Auslöser für Depressionen sein. Wie schnell eine Erkrankung ausbricht, hängt häufig von frühen biographischen Erfahrungen und genetischen Faktoren ab.

Unbehandelte Depressionen gehen mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität, teilweise mit einem Verlust der Arbeitsfähigkeit und nicht selten mit einer starken Belastung der Angehörigen einher. Die Verzweiflung der Betroffenen kann derart groß sein, dass der Wunsch besteht, nicht mehr am Leben teilzunehmen und ein Suizid geplant wird.

Symptome

Die typischen Symptome einer Depression sind:

  • Stimmungstief und Niedergeschlagenheit
  • Unfähigkeit Freude zu empfinden, teilweise Unfähigkeit Gefühle zu empfinden (Gefühl der Gefühllosigkeit)
  • Quälende Gefühle der Unsicherheit, Hilflosigkeit oder Ängstlichkeit
  • Selbstzweifel, Schuld- und Schamgefühle
  • Antriebsarmut und Energielosigkeit
  • Schlafstörungen, innere Unruhe und Nervosität
  • Appetitstörungen und Gewichtsverlust
  • Konzentrationsstörungen und rasche Erschöpfbarkeit

 

Neben den typischen Symptomen einer Depression treten häufig auch körperliche Symptome wie Schmerzen, Magen-Darm oder Herz-Kreislaufbeschwerden auf.

Ambulante Therapie

Für eine leichte Depression ist eine ambulante Psychotherapie als Behandlung meist ausreichend. Leichte Depressionen sind durch Schwankungen der Stimmungen, des Antriebes, der Fähigkeit sich über Dinge zu freuen sowie Schlaf- oder Appetitstörungen gekennzeichnet. Bei leichten Depressionen können die Betroffenen im Regelfall ihren Alltag noch selbst gestalten, auch die Arbeitsfähigkeit ist meist erhalten.

In diesem Fällen reicht es häufig, sich mit seinem ambulanten Psychotherapeuten über die depressiven Symptome, deren Auslöser im privaten oder beruflichen Umfeld zu sprechen und Hilfe im Umgang mit den typischen Symptomen und Einschränkungen im Alltag und im beruflichen Umfeld zu unterhalten bzw. gemeinsam Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Tagesklinische Behandlung

Bei mittelschwereren und schweren Depressionen mit relevanten Einschränkungen im Alltag oder auch der Unfähigkeit seiner Arbeit nachzugehen, ist eine intensive tagesklinische Behandlung mit täglichen Therapieangeboten im Einzelsetting oder in der Gruppe notwendig. Ihre Sorgen und Nöte können im Rahmen des täglichen Therapieangebotes mit der notwendigen Ruhe, Intensität und Individualität behandelt werden. Durch eine intensive tagesklinische Behandlung kann Ihnen ein sicherer Rahmen und die notwendige tägliche Unterstützung gegeben werden, die bei schweren psychischen Krisen erforderlich ist.

Vorteil einer tagesklinischen Behandlung ist, dass Sie Ihr gewohntes Zuhause und ihre Angehörigen, deren Nähe und Unterstützung gerade in diesen Krisenzeiten sehr wichtig sein kann, nicht verlassen müssen und dennoch wie bei einer stationären Therapie eine intensive psychotherapeutisch-psychosomatische Behandlung durchgeführt werden kann. An den Abenden nach der tagesklinischen Behandlung sind Sie in Ihrer gewohnten Umgebung bei Ihren Angehörigen zu Hause, an den Wochenenden den gesamten Tag.

Da eine Depression auch für Ihre Angehörigen psychisch belastend sein kann, können Ihre Angehörige in das Behandlungsprogramm während der Tagesklinik einbezogen werden. Sorgen und Nöte, die Sie und Ihre Angehörige betreffen, können gemeinsam besprochen und Lösungswege erarbeitet werden.

Bei akuter Suizidalität ist eine stationäre Akutbehandlung zur Bewältigung der aktuellen Krisensituation notwendig. Anschließend kann in Kooperation mit der stationären Einrichtung, z.B. der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg (www.oberbergkliniken.de), eine Fortführung der Behandlung in unserer Tagesklinik oder Ambulanz erfolgen.

Nähere Informationen zu dem therapeutischen Konzept unserer Tagesklinik finden Sie hier

Achtsamkeitsbasierte Depressionstherapie

Achtsamkeit und Mediation sind eine zentrale Säule unserer tagesklinischen Behandlung. Am Morgen zu Beginn des Therapietages und am Abend zum Abschluss führen wir gemeinsam Achtsamkeitsübungen durch. Wie können Achtsamkeit und Meditation bei einer Depression helfen. Wahrscheinlich haben Sie eigene Vorstellungen über die Wirkungen von Achtsamkeit auf Ihre Depression oder wollen Informationen und Erfahrungen sammeln, wie Achtsamkeit und Meditation Ihnen ganz individuell bei Ihrer Erkrankung helfen können.

Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass Achtsamkeit und Meditation folgende Veränderungen ermöglichen:

  • ein neues Verständnis von Ihrer Erkrankung
  • einen neuen, akzeptierenden Umgang mit unangenehmen, teilweise quälenden negativen Gefühlen, Unsicherheit, Ängsten und Selbstzweifeln
  • eine neue Form einer mitfühlenden, wohlwollenden Haltung sich selbst und anderen gegenüber
  • einen neuen Zugang zu ihrer „inneren Stimme“ als Kompass in schwierigen Zeiten
  • eine aktive Gestaltung Ihres Alltages und eine neue Form von Lebendigkeit
  • eine Stärkung Ihrer Selbstheilungskräfte und Ihres Immunsystems

 

Seine eigenen Werte und Lebensziele entdecken

Gerade in Krisensituationen stellt sich für uns die Frage, welche Ziele und Werte haben wir und wie wollen wir unser Leben gestalten. Achtsamkeit und Meditation ermöglichen eine neue Form innerer Orientierung, Verankerung und Lebendigkeit. Die Achtsamkeitspraxis hilft uns, bereits vorhandene Werte, Bilder, und Wünsche wieder zu entdecken oder klarer zu sehen. Auf diese Weise eröffnen sich uns neue, kreative und individuelle Handlungswege.

Anerkannte achtsamkeitsbasierte Psychotherapieverfahren in der Depressionsbehandlung

Wirksame achtsamkeitsbasierte Psychotherapieverfahren in der Depressionsbehandlung sind die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT), die Selbst-mitgefühltherapie oder die Commitment und Akzeptanztherapie (ACT). Sie als Patienten lernen, ihre momentanen Gedanken, unangenehmen Gefühle oder Ne-gativschleifen zu erkennen und zu beenden. Depressive Gedanken treten Schritt für Schritt in den Hintergrund und eine annehmende und mitfühlende Haltung sich selbst gegenüber wird ermöglicht.
Frühwarnsignale eines beginnenden Rückfalls in eine Depression werden rechtzeitig erkannt; unterstützende und hilfreiche Maßnahmen können ergriffen und ein erneuter Rückfall in eine Depression kann verhindert werden.

Literatur

  • Segal, Z.V., Williams, J.M.G., Teasdale, J.D. (2008). Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie der Depression. Ein neuer Ansatz zur Rückfallprävention. Tübingen, DGVT Verlag.
  • Meibert, P. (2014). Der Weg aus dem Grübelkarussell: Achtsamkeitstraining bei Depression, Ängsten und negativen Selbstgesprächen Das MBCT-Buch. Kösel-Verlag.
  • Heidenreich, T., & Michalak, J. (Eds.). (2013). Die» dritte Welle «der Verhaltenstherapie: Grundlagen und Praxis. Beltz.
  • Hayes S, Luoma JB, Bond F et al (2006) Acceptance and commitment therapy: model, process, and outco- mes. Behav Res Ther 44:1–25
  • Kabat-Zinn, J., & Hanh, T. N. (2009). Full catastrophe living: Using the wisdom of your body and mind to face stress, pain, and illness. Random House LLC.
  • Germer, C. (2012). Der achtsame Weg zur Selbstliebe. Arbor, Freiburg.
  • Gilbert, P. (2013). Compassion Focused Therapy. Junfermann Verlag.
  • Goyal, M. et al. (2014). Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA internal medicine, 174(3), 357-368.
  • Khoury, B. et al. (2013). Mindfulness-based therapy: A comprehensive meta-analysis. Clinical Psychology Re- view, 33(6), 763-771.
  • Powers MB, Vörding M, Emmelkamp PMG (2009) Acceptance and commitment therapy: a meta-analytic review. Psychother Psychosom 8:73–80 CrossRef